achja, daniel
Nach einem semigeglückten Selbstversuch, mich mit Wick Vaporup einzureiben, hocke ich nun mit einer halben Apotheke auf meinem Bett und versuche, die Nacht rumzukriegen. Bin gerade von meinem eigenen Husten wachgeworden und ein wenig von meiner Erkältung genervt. Bin körperlich nicht gerade auf der Höhe, aber das schlimmste ist der anhaltende, hoffentlich nur temporärer Verlust meiner Stimme. Hinzukommt, dass Susanne und Bruce gerade in Las Vegas dabei sind, der spielsucht zu verfallen und die Kids nun in meiner Obhut sind, also nix mit auskurieren und so. Kinder kommunizieren auch nicht wirklich gerne in Zeichensprache und aufgrund fehlendem Verstand ist es für sie etwas schwierig, zu verstehen, wenn sie mir sprechen und ich einfach keine Antwort geben kann. Andere Erwachsene mögen das durchaus positiv sehen...zumindest wird gerade niemand mit Anrufen meinerseits belästigt, denn schon der hier sehr geschätzte Smalltalk an supermarktkassen kostet meinen kompletten Redebeitrag, der mir gerade zur Verfügung steht...
Aber ich wollte ja noch die freakshow vervollständigen.
Daniel, der selbsternannte Handwerker, kreuzte vor ein paar wochen hier das erste Mal auf, um das Haus ein wenig winterfest zu machen. Bis auf seinen markant schrecklichen Kleidungsstil viel mir kein striking feature an ihm auf, allerdings setzte ich mich auch nicht wirklich mit ihm auseinander. Als er mich dann jedoch fragte, ob ich ihm ein bisschen werkzeug geben könnte, konnte ich mir die erklärung nicht verkneifen, dass Handwerker in Deutschland das eigentlich immer selber mitbringen würden. Als rechtfertigung schob er seinen kaputten truck vor und weil er sich wohl etwas unwohl damit fühlte, fing er in aller breite an, mir zu erklären, was er dort am wasserrohr und hier in der toilette reparieren müsste. Naja, ich hörte hoflich zu, fragte ihn aber dann auch, ob ihm vielleicht entgangen sei, dass ich deutsche bin und das ich es bis dato bewusst vermieden habe, mich mit dem vokabular für sanitäre Anlagen auseinander zu setzen. Das ich also nur bahnhof verstand, war ihm ziemlich egal, ein Anruf von der Mama rettete mich auch erstmal aus meiner kleinen Privatnachhilfestunde bei Daniel...
Obwohl er eine liste von arbeiten zu erledigen hatte, kam und ging er stets, wann er wollte. einmal wollte er ein Eichhörnchen in der Nachbarschaft retten und nach 2 Stunden missglückte ihm sein Unterfangen, was darin resultierte, dass er danach zum nächsten Haus musste. Ich war dadurch leicht angepisst, da sein kommen und gehen nach Lust und Laune meine Tagesplanung stets durchkreutze und ich ihn irgendwann auch nur noch obskur fand. Bruce, everybodys darling und somit everybodys depp hat ihm dann gleich mal einen Haustürschlüssel in die Hand gedrückt, damit wir alle wieder ein bisschen flexibler arbeiten konnten. Das war ja nett gemeint, aber ich als wohlbehütetes Eifelkind habe dann mehrfach meine Skepsis zum ausdruck gebracht und konnte das überhaupt nicht glauben. Das war dann der Startschuss dafür, dass er erstmal ein paar tage garnicht mehr erschien, und sich in meinem Kopf sämtliche Szenarien lustig formten...Bruce versuchte ihn derweil per telefon zu erreichen, aber die, die wir vorliegen hatten, existierten nicht...
Ein paar tage später kam er dann wieder hier an und hatte eine Erklärung auf lager, die mich dann in schuldgefühle stürzte, denn er erzählte uns, dass sein neunjähriger Sohn überfahren worden ist und im Koma liegen würde. Ich hab mich dann echt ein bisschen scheisse gefühlt, aber andererseits rechtfertigte dies sein voriges verhalten ja auch nicht wirklich. In der Zeit kam er dann öfter, weil er ablenkung brauchte und wir haben dann auch mit ihm geredet und es hat ihm wohl gut getan. Eines Abends kam er um halb sieben hier an, besoffen wie tausend russen, um uns mitzuteilen, dass sein Sohn tot sei und er fragte nach einer flasche wein. Er war echt im Delirium und erzählte uns, dass sein schwiegervater den Kleinen überfahren habe (vorher war es ein betrunkener taxifahrer) und er selbst sterbehilfe geleistet hätte. Ich wusste nicht mehr so wirklich, was ich davon halten sollte, denn diese ganzen Stories machten mir Angst. Am anderen Tag kam er wieder vorbei und entschuldigte sich, dass er solche Lügen verbreitet habe und lud Bruce zur Beerdigung ein. Seine richtige Telefonnummer erhielten wir auch. Als Bruce sich dann sonntags auf den weg zur beerdigung mache wollte, rief er nochmal auf dem angegebenen friedhof an, um zu doublechecken, ob das auch der richtige sei. Nach ewigem hin und her telefonieren stellte sich raus, dass auf keinem der Infragekommenden Friedhöfen eine Beerdigung von Daniels Sohn stattfand. Als Bruce erneut feststellen musste, dass Daniel ihm schon wieder die falsche Nummer gegeben hat, kamen natürlich erneut zweifel. Er fuhr dennoch zu dem von daniel angegebenen friedhof hin, doch da fand wirlich keine beisetzung statt. Nach langer diskussion hinterher kamen wir zu dem Entschluss, dass er mental nicht ganz den gängigen Erwartungen entpricht und es wohl besser ist, ihn dezent darauf hinzuweisen, sich einen anderen Arbeitsplatz zu suchen. Wir wissen eben einfach nicht, was an seinen ganzen Stories dran ist, aber alles in allem klingt das ganze doch schon sehr suspekt und seine Anwesenheit ist mir auch nicht mehr so angenehm. Keiner von uns möchte sich anmaßen, zu behaupten, dass er den tod seines sohnes erfunden hat, aber letztenendes ist seine ganze existenz bisher eine farce gewesen und niemand weiss, wer er wirklich ist und das macht ihn halt auch so unberechenbar. Seine angefangenen Arbeiten sollte er dennoch zu ende bringen, doch seitdem er den letzten Scheck in Empfang genommen hat, ward daniel hier nie mehr gesehen, und nun ist es nur noch das Loch in der Wand, dass an ihn erinnert.

Aber ich wollte ja noch die freakshow vervollständigen.
Daniel, der selbsternannte Handwerker, kreuzte vor ein paar wochen hier das erste Mal auf, um das Haus ein wenig winterfest zu machen. Bis auf seinen markant schrecklichen Kleidungsstil viel mir kein striking feature an ihm auf, allerdings setzte ich mich auch nicht wirklich mit ihm auseinander. Als er mich dann jedoch fragte, ob ich ihm ein bisschen werkzeug geben könnte, konnte ich mir die erklärung nicht verkneifen, dass Handwerker in Deutschland das eigentlich immer selber mitbringen würden. Als rechtfertigung schob er seinen kaputten truck vor und weil er sich wohl etwas unwohl damit fühlte, fing er in aller breite an, mir zu erklären, was er dort am wasserrohr und hier in der toilette reparieren müsste. Naja, ich hörte hoflich zu, fragte ihn aber dann auch, ob ihm vielleicht entgangen sei, dass ich deutsche bin und das ich es bis dato bewusst vermieden habe, mich mit dem vokabular für sanitäre Anlagen auseinander zu setzen. Das ich also nur bahnhof verstand, war ihm ziemlich egal, ein Anruf von der Mama rettete mich auch erstmal aus meiner kleinen Privatnachhilfestunde bei Daniel...
Obwohl er eine liste von arbeiten zu erledigen hatte, kam und ging er stets, wann er wollte. einmal wollte er ein Eichhörnchen in der Nachbarschaft retten und nach 2 Stunden missglückte ihm sein Unterfangen, was darin resultierte, dass er danach zum nächsten Haus musste. Ich war dadurch leicht angepisst, da sein kommen und gehen nach Lust und Laune meine Tagesplanung stets durchkreutze und ich ihn irgendwann auch nur noch obskur fand. Bruce, everybodys darling und somit everybodys depp hat ihm dann gleich mal einen Haustürschlüssel in die Hand gedrückt, damit wir alle wieder ein bisschen flexibler arbeiten konnten. Das war ja nett gemeint, aber ich als wohlbehütetes Eifelkind habe dann mehrfach meine Skepsis zum ausdruck gebracht und konnte das überhaupt nicht glauben. Das war dann der Startschuss dafür, dass er erstmal ein paar tage garnicht mehr erschien, und sich in meinem Kopf sämtliche Szenarien lustig formten...Bruce versuchte ihn derweil per telefon zu erreichen, aber die, die wir vorliegen hatten, existierten nicht...
Ein paar tage später kam er dann wieder hier an und hatte eine Erklärung auf lager, die mich dann in schuldgefühle stürzte, denn er erzählte uns, dass sein neunjähriger Sohn überfahren worden ist und im Koma liegen würde. Ich hab mich dann echt ein bisschen scheisse gefühlt, aber andererseits rechtfertigte dies sein voriges verhalten ja auch nicht wirklich. In der Zeit kam er dann öfter, weil er ablenkung brauchte und wir haben dann auch mit ihm geredet und es hat ihm wohl gut getan. Eines Abends kam er um halb sieben hier an, besoffen wie tausend russen, um uns mitzuteilen, dass sein Sohn tot sei und er fragte nach einer flasche wein. Er war echt im Delirium und erzählte uns, dass sein schwiegervater den Kleinen überfahren habe (vorher war es ein betrunkener taxifahrer) und er selbst sterbehilfe geleistet hätte. Ich wusste nicht mehr so wirklich, was ich davon halten sollte, denn diese ganzen Stories machten mir Angst. Am anderen Tag kam er wieder vorbei und entschuldigte sich, dass er solche Lügen verbreitet habe und lud Bruce zur Beerdigung ein. Seine richtige Telefonnummer erhielten wir auch. Als Bruce sich dann sonntags auf den weg zur beerdigung mache wollte, rief er nochmal auf dem angegebenen friedhof an, um zu doublechecken, ob das auch der richtige sei. Nach ewigem hin und her telefonieren stellte sich raus, dass auf keinem der Infragekommenden Friedhöfen eine Beerdigung von Daniels Sohn stattfand. Als Bruce erneut feststellen musste, dass Daniel ihm schon wieder die falsche Nummer gegeben hat, kamen natürlich erneut zweifel. Er fuhr dennoch zu dem von daniel angegebenen friedhof hin, doch da fand wirlich keine beisetzung statt. Nach langer diskussion hinterher kamen wir zu dem Entschluss, dass er mental nicht ganz den gängigen Erwartungen entpricht und es wohl besser ist, ihn dezent darauf hinzuweisen, sich einen anderen Arbeitsplatz zu suchen. Wir wissen eben einfach nicht, was an seinen ganzen Stories dran ist, aber alles in allem klingt das ganze doch schon sehr suspekt und seine Anwesenheit ist mir auch nicht mehr so angenehm. Keiner von uns möchte sich anmaßen, zu behaupten, dass er den tod seines sohnes erfunden hat, aber letztenendes ist seine ganze existenz bisher eine farce gewesen und niemand weiss, wer er wirklich ist und das macht ihn halt auch so unberechenbar. Seine angefangenen Arbeiten sollte er dennoch zu ende bringen, doch seitdem er den letzten Scheck in Empfang genommen hat, ward daniel hier nie mehr gesehen, und nun ist es nur noch das Loch in der Wand, dass an ihn erinnert.

canadiansusi - 5. Nov, 07:51
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